Der Zweite Weltkrieg

Im Rahmen unserer Projektprüfung wollen wir – das sind Katharina G., Francesca, Rahel, Diana und Abraham – die Ursachen und den Charakter des Zweiten Weltkrieges aufzeigen.
Besonders interessieren uns die Auswirkungen des Krieges auf die Menschen hier vor Ort in Filderstadt-Bonlanden. Bei unserem Besuch im Stadtarchiv Filderstadt am 18.Februar fanden wir, unterstützt durch den Stadtarchivar Herrn Back, Quellen zum Leben der Menschen auf den Fildern im Nationalsozialismus. Am 21.März hatten wir Gelegenheit, den Zeitzeugen
Herrn Albert Weinmann aus Bonlanden, der den Zweiten Weltkrieg als Jugendlicher hier erlebt hat, zu interviewen.

Bei unserem Gespräch beantwortete Herr Weinmann unsere Fragen unter anderem zur Haltung der Bonländer Bevölkerung zum Krieg, erläuterte die besondere Rolle der Frauen damals, den Einfluss der Hitler-Jugend auf Eltern und Schule und schilderte uns die Erzählungen deutscher Soldaten, die von der Ostfront kommend auf Heimaturlaub waren.
Wir haben diese Zeitzeugenbefragung auf Video aufgenommen, so dass sie auch für nachfolgende Klassen dokumentiert ist.

KRIEG UND KRIEGSERFAHRUNG AUF DEN  FILDERORTEN

Jugendlicher im Zweiten Weltkrieg
Zeitzeuge Albert Weinmann aus Bonlanden

„Albert Weinmann, Jahrgang 1930, hat den Krieg als Kind und Jugendlicher in Bonlanden erlebt. Bei Kriegsende war er 15 Jahre. Wir stellten ihm die folgenden Fragen, die er ausführlich beantwortete. Einen kleinen sinngemäßen Auszug von einigen seiner Antworten haben wir beigefügt. Die ganze Videoaufnahme geht ca. eine halbe Stunde. Für unsere Präsentation haben wir einen Ausschnitt von fünf Minuten ausgewählt. Dort äußert er sich zur zweiten Frage.

1. Waren Sie überrascht vom Kriegssausbruch oder haben Sie ihn erwartet?
          Weder total überrascht noch erwartet. Das ging alles schleichend.
 
2. Damals waren doch viele Männer im Krieg. Welche Rolle haben eigentlich die Frauen gespielt?
          Eine ganz wichtige Rolle. „Die Frauen mussten alles machen.“ Einfach alles. Allein in einem           Straßenabschnitt der Bonländer Hauptstraße sind 18 Todesmeldungen von gefallenen Männern im Krieg           gekommen. Jedes Mal wenn der Briefträger kam hatte man Angst.
 
3. Sie haben ja die Kriegszeit als Schüler in Bonlanden erlebt. Welche Auswirkungen hatte der Krieg auf den Alltag in der Schule?
          Ständig ist Unterricht ausgefallen. Immer mussten wir irgendeine Aktion durchführen. Holz, Kleider sammeln,
          alles mögliche. Ich habe mich damals über den vielen ausgefallenen Unterricht gefreut. Später erst habe ich           gemerkt wie wenig wir damals gelernt haben, was mir alles gefehlt hat.
 
4. Wir haben von der Hitler Jugend gehört, wie war das Verhältnis der Hitler-Jugend zu Eltern und Lehrern?
          Man bekam da schon ganz früh eine Uniform. Da ist man fast ein anderer Mensch. Da fühlte man sich stark.           Man hatte dann nicht mehr so viel Respekt vor Eltern und Lehrern.
 
5. Gab es überhaupt eine Opposition oder wurde die von den örtlichen Nazibossen unterdrückt?
         Offen gegen Hitler und die Nazis sein, das war nicht möglich. Überall waren Spitzel und es gab ja keine
          anderen Parteien mehr.
 
6. War eigentlich nach dem Sieg über Frankreich 1940 eine große Kriegsbegeisterung in Bonlanden?
         Von der Kriegsbegeisterung der Deutschen wird oft gesprochen. Ich habe davon wenig gespürt.          Jedenfallsnicht hier in Bonlanden.
 
7. Haben Sie Soldaten auf dem Heimaturlaub erlebt, vielleicht aus dem Russlandfeldzug zurück. Was wurde da erzählt?
         An einen Soldaten kann ich mich ganz genau erinnern, wie der gesagt hat: „Wenn wir das büßen müssen, was          wir den Russen angetan haben, dann geht’s uns allen sehr schlecht!“


Eine Plattenhardter Familie erhält eine Todesmeldung

Bei unserem Interview mit Herrn Albert Weinmann ging uns der folgende Satz des Zeitzeugen nicht mehr aus dem Kopf:

„Allein in einem Straßenabschnitt der Bonländer Hauptstraße sind 18 Todesmeldungen von gefallenen Männern im Krieg gekommen. Jedes Mal wenn der Briefträger kam hatte man Angst.“
 
Wir haben versucht, uns in die Situation einer solchen Familie in Bonlanden oder Plattenhardt, die eine Todesnachricht erhält, hineinzuversetzen. Dies haben wir spontan getan. Die Grundlage dafür war die unten abgedruckte Todesmeldung, wie sie eine Familie in Plattenhardt im Original erhalten hat.
 

Die ungeschminkte Wirklichkeit des Krieges

Todesnachricht aus Russland nach Plattenhardt

Vorbemerkung:

Im allgemeinen brachte der Bürgermeister oder der Ortsgruppenleiter der Nazis die Todesnachricht den Hinterbliebenen. Oft war es auch der Postbote, der die Briefe den Angehörigen überbringen mußte. Er war unheilvoller Todesengel und Tröster zugleich. Viele ahnten schon, was es zu bedeuten hatte, wenn der Briefträger eintrat. Im Verlauf des Krieges wurde der Tod zum Alltagsbegleiter.
Die Todesmeldungen hatten die zuständigen Kompanie-Offiziere oder die Ärzte in den Lazaretten verfaßt. Abschriften davon liegen zum Teil in den Archiven. So lautete z.B. eine Todesmeldung an eine Frau aus Plattenhardt folgendermaßen:


Im Felde, den 4.Oktober 1942.

Sehr verehrte Frau M!

In nimmermüdem Einsatz steht der deutsche Soldat an der Ostfront und hält treu die Wacht; beschützt die deutsche Heimat vor der bolschewistischen Mordgier. Treu und gewissenhaft versieht er seinen Dienst bis zur Aufopferung seines Lebens. So mancher brave Kamerad verlässt uns in der größten Zeit unseres Volkes. Leider ist es nicht jedem vergönnt die große Stunde des Sieges mitzuerleben.

Bei heldenmütiger Verteidigung der Kompanie am 4.10.1942 ( ... ) ist Ihr Mann in soldatischer Pflichterfüllung, getreu seinem Fahneneide, für das Vaterland gefallen. In der letzten Erfüllung seines Dienstes ist er abberufen worden zur großen Armee. Tapfere Soldaten gehen heim, doch das Reich wird ewig bestehen, für das sie ihr Blutgeben. Auf dem Heldenfriedhof der Division in Nikolajawka haben wir ihm eine würdige Grabstätte bereitet.

Ich spreche Ihnen und Ihrer Familie, zugleich im Namen seiner Kameraden, meine wärmste Anteilnahme aus. Wir werden Ihren Mann nie vergessen.

Möge die Gewissheit, daß Ihr Mann sein Blut für die Größe und den Bestand des deutschen Reiches und Volkes hingegeben hat, ein Trost in dem schweren Leid sein, das sie getroffen hat.


Die Schreiben waren in ihrem Aufbau stereotyp und sich selbst noch bis in die Wortwahl ähnlich. Die Kompaniechefs sprachen vom "Heldentod" oder sie bescheinigten dem Getöteten "heldenhaften Einsatz" ",heldenmütiges" Verhalten usw. Der angeblich höhere Sinn und die Aufgabe, die er zu erfüllen suchte und für die der einzelne gestorben war, wurde gleich mitgenannt, so im oben angeführten Brief "für die deutsche Heimat",  "in soldatischer Pflichterfüllung"" und "in der letzten Erfüllung des Dienstes".
 
Quelle und Literatur: Stadtarchiv Filderstadt. Zitiert nach: Gudrun Silberzahn-Jandt: Vom Pfarrberg zum Hitlerplatz. Fünf Filderdörfer während der Zeit des Nationalsozialismus. Hrsg. von der Stadt Filderstadt. Filderstadt 1994, S.170 – 172 .

Ausstellung

Filderstadt im 2. Weltkrieg

Unsere Ausstellung, präsentiert auf sieben Tafeln die folgenden Seiten des Krieges in den Filderorten. Sie basiert auf einer Ausstellung des Stadtarchivs Filderstadt 1989 zum 50.Jahrestag des Kriegsbeginns 1939. Hier die wichtigsten Infos zur Kriegssituation auf den Fildern:

1.   Kriegsbeginn:

      Die Menschen fühlten sich an den gerade mal zwei Jahrzehnte zurückliegenden 1.Weltkrieg erinnert. Jetzt beginnt wieder das Elend war die Befürchtung. Und schon bald kamen die ersten Meldungen gefallener Soldaten.

2.   Kriegszerstörungen:

      Viele Häuser in Bernhausen brannten, aber Menschen starben nicht. Die meisten Bomben fielen auf die Felder. Die Filderorte waren viel weniger betroffen als Stuttgart. In Sielmingen gingen 500 Brandbomben, vor allem in unbewohntes Gebiet, nieder, aber sterben musste deshalb niemand.

3.   Luftschutz:

      Ungefähr 15 Häuser wurden zu einer Luftschutzgemeinschaft zusammengeschlossen. Diese war zuständig für Feuerlöschung, Bergung usw. Übungen dazu fanden statt. Die Stelltafel zeigt Quellen zur Verdunkelungsverordnung und zur zweitägigen Haft eines Bewohners, weil er bei Bombenalarm nicht ausreichend verdunkelte.

4.   a) Evakuierung von Großstädten /  b) Schulen

      Alleine Bonlanden nahm 15 ausgebombte Familien aus Stuttgart auf. Häufiger Schulausfall war die Regel. In Plattenhardt war zwischen der Schulstraße und Goethestraße ein Graben von 40 Meter Länge und 2 Meter Tiefe, der für den Extremfall Schutz bieten sollte.

5.   Zwangsarbeiter

      In den Filderorten wurden ausländische Zwangsarbeiter vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt. Es ging ihnen nicht ganz so schlecht wie denen in den Industriebetrieben der Großstädte. Allein in Bernhausen gab es 250 Zwangsarbeiter. Die Stelltafel zeigt eine Quelle, auf der die Einwohner aufgefordert werden: „Deutsche seid zu stolz, euch mit Polen einzulassen.“ Und eine weiteres Dokument zeigt eine Strafanzeige gegen hungrige Zwangsarbeiter, die aus Hunger Kartoffeln „gestohlen“ haben.

6.   KZ-Außenlager

      In den Filderorten selbst war kein Konzentrationslager (KZ), aber von November 1944 bis Januar 1945 schufteten 600 Häftlinge aus dem Osten, also Polen und Russland, auf dem Flughafen. Dieses KZ war eine Außenstelle des KZ Natzweiler. Von den 600 Häftlingen starben über 100.

7.   Kriegsende

      Das Kriegsende verlief für die Filderorte nicht ganz so schlimm wie in vielen Städten, auch wenn es zu Plünderungen und Vergewaltigungen kam. Am 20.April 1945 marschierten die Franzosen ein. Etwas kritisch war die Situation in Plattenhardt, weil sich dort deutsche Soldaten versteckt hatten. Die Übergabe an die Franzosen erforderte aber keine Toten.