Der Zweite Weltkrieg |
||
|
||
|
||
KRIEG UND KRIEGSERFAHRUNG AUF DEN FILDERORTEN
|
||
„Albert Weinmann, Jahrgang 1930, hat den Krieg als Kind und Jugendlicher in Bonlanden erlebt. Bei Kriegsende war er 15 Jahre. Wir stellten ihm die folgenden Fragen, die er ausführlich beantwortete. Einen kleinen sinngemäßen Auszug von einigen seiner Antworten haben wir beigefügt. Die ganze Videoaufnahme geht ca. eine halbe Stunde. Für unsere Präsentation haben wir einen Ausschnitt von fünf Minuten ausgewählt. Dort äußert er sich zur zweiten Frage.
|
||
Eine Plattenhardter Familie erhält eine TodesmeldungBei unserem Interview mit Herrn Albert Weinmann ging uns der folgende Satz des Zeitzeugen nicht mehr aus dem Kopf:
Die ungeschminkte Wirklichkeit des KriegesTodesnachricht aus Russland nach PlattenhardtVorbemerkung:
|
||
Im Felde, den 4.Oktober 1942. Sehr verehrte Frau M! In nimmermüdem Einsatz steht der deutsche Soldat an der Ostfront und hält treu die Wacht; beschützt die deutsche Heimat vor der bolschewistischen Mordgier. Treu und gewissenhaft versieht er seinen Dienst bis zur Aufopferung seines Lebens. So mancher brave Kamerad verlässt uns in der größten Zeit unseres Volkes. Leider ist es nicht jedem vergönnt die große Stunde des Sieges mitzuerleben. Bei heldenmütiger Verteidigung der Kompanie am 4.10.1942 ( ... ) ist Ihr Mann in soldatischer Pflichterfüllung, getreu seinem Fahneneide, für das Vaterland gefallen. In der letzten Erfüllung seines Dienstes ist er abberufen worden zur großen Armee. Tapfere Soldaten gehen heim, doch das Reich wird ewig bestehen, für das sie ihr Blutgeben. Auf dem Heldenfriedhof der Division in Nikolajawka haben wir ihm eine würdige Grabstätte bereitet. Ich spreche Ihnen und Ihrer Familie, zugleich im Namen seiner Kameraden, meine wärmste Anteilnahme aus. Wir werden Ihren Mann nie vergessen. Möge
die Gewissheit, daß Ihr Mann sein Blut für die Größe
und den Bestand des deutschen Reiches und Volkes hingegeben
hat, ein Trost in dem schweren Leid sein, das sie getroffen
hat. |
||
|
||
AusstellungFilderstadt im 2. Weltkrieg |
||
Unsere Ausstellung, präsentiert auf sieben Tafeln die folgenden Seiten des Krieges in den Filderorten. Sie basiert auf einer Ausstellung des Stadtarchivs Filderstadt 1989 zum 50.Jahrestag des Kriegsbeginns 1939. Hier die wichtigsten Infos zur Kriegssituation auf den Fildern: 1. Kriegsbeginn: Die Menschen fühlten sich an den gerade mal zwei Jahrzehnte zurückliegenden 1.Weltkrieg erinnert. Jetzt beginnt wieder das Elend war die Befürchtung. Und schon bald kamen die ersten Meldungen gefallener Soldaten. 2. Kriegszerstörungen: Viele Häuser in Bernhausen brannten, aber Menschen starben nicht. Die meisten Bomben fielen auf die Felder. Die Filderorte waren viel weniger betroffen als Stuttgart. In Sielmingen gingen 500 Brandbomben, vor allem in unbewohntes Gebiet, nieder, aber sterben musste deshalb niemand. 3. Luftschutz: Ungefähr 15 Häuser wurden zu einer Luftschutzgemeinschaft zusammengeschlossen. Diese war zuständig für Feuerlöschung, Bergung usw. Übungen dazu fanden statt. Die Stelltafel zeigt Quellen zur Verdunkelungsverordnung und zur zweitägigen Haft eines Bewohners, weil er bei Bombenalarm nicht ausreichend verdunkelte. 4. a) Evakuierung von Großstädten / b) Schulen Alleine Bonlanden nahm 15 ausgebombte Familien aus Stuttgart auf. Häufiger Schulausfall war die Regel. In Plattenhardt war zwischen der Schulstraße und Goethestraße ein Graben von 40 Meter Länge und 2 Meter Tiefe, der für den Extremfall Schutz bieten sollte. 5. Zwangsarbeiter In den Filderorten wurden ausländische Zwangsarbeiter vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt. Es ging ihnen nicht ganz so schlecht wie denen in den Industriebetrieben der Großstädte. Allein in Bernhausen gab es 250 Zwangsarbeiter. Die Stelltafel zeigt eine Quelle, auf der die Einwohner aufgefordert werden: „Deutsche seid zu stolz, euch mit Polen einzulassen.“ Und eine weiteres Dokument zeigt eine Strafanzeige gegen hungrige Zwangsarbeiter, die aus Hunger Kartoffeln „gestohlen“ haben. 6. KZ-Außenlager In den Filderorten selbst war kein Konzentrationslager (KZ), aber von November 1944 bis Januar 1945 schufteten 600 Häftlinge aus dem Osten, also Polen und Russland, auf dem Flughafen. Dieses KZ war eine Außenstelle des KZ Natzweiler. Von den 600 Häftlingen starben über 100. 7. Kriegsende Das Kriegsende verlief für die Filderorte nicht ganz so schlimm wie in vielen Städten, auch wenn es zu Plünderungen und Vergewaltigungen kam. Am 20.April 1945 marschierten die Franzosen ein. Etwas kritisch war die Situation in Plattenhardt, weil sich dort deutsche Soldaten versteckt hatten. Die Übergabe an die Franzosen erforderte aber keine Toten. |
||