Kinderarbeit im 19.Jahrhundert – und heute

 

Im Geschichts- und Gemeinschaftskundeunterricht beschäftigten wir uns mit dem Leben der Arbeiter, der Männer, Frauen und Kinder im 19.Jahrhundert. Meistens gab es niedrigste Löhne, Gewerkschaften, die für höhere Löhne, erträgliche Arbeitszeiten und ungefährliche Arbeitsbedingungen kämpften waren noch nicht da oder noch sehr schwach, so dass die Arbeiter gegeneinander ausgespielt werden konnten. Kinderarbeit ab fünf Jahren war normal. Wir haben in Unterricht z.B. eine Quelle von Friedrich Engels gelesen, in der er Kinderarbeit in einem englischen Bergwerk 1845 beschreibt. 12 Stunden Arbeit in dunklen Gängen ohne feste Essenszeiten war normal, an Schulen nicht zu denken.

 

Zu der Bildquelle „Kinderarbeit in einem Bergwerk, Anfang des 19.Jahrhunderts“ (siehe die folgende Abbildung), erhielten wir folgenden Arbeitsauftrag:


 

Du bist eines der zwei Kinder. Schreibe in der Ich-Form deine Gedanken und Gefühle auf!

Wir haben versucht, uns in die Lage der Kinder hineinzuversetzen, als ob wir sie wären. Hier einige unserer Versuche:

 

Kinderarbeit damals: Beispiel Bergwerke um 1850

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Ich weiß nicht, wie lange ich schon hier unten bin, ich weiß nicht, ob es Tag oder Nacht ist. Der Tag scheint mir unendlich zu sein. Es ist anstrengend so einen Karren voller Eisenerz zu schieben, vor allem wenn man auf den Knien kriechen muss. Mein weher Rücken und meine Knie bringen mich fast um. Ich vermisse meine Familie und meine Freunde. Ich sehne mich danach, wieder mit meiner Familie vereint zu sein und mit meinen Freunden zu spielen. Ich bin hungrig und sehr durstig. Der Staub versperrt mir die Sicht und vor allem macht er mir das Atmen schwer. Ich habe keine Lust mehr, aber ich muss weiter machen, meine Familie braucht das Geld.

Daniel 8a

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Ich sitze hier im Kohlenberg und wünsche nie geboren zu sein. Tag für Tag muss ich hierher kommen und arbeiten. Meine ganzen Knochen tun mir weh. Ich habe so viele blaue Flecke, ich hatte bei 20 aufgehört mit zu zählen. Meine Blutwunden werden Tag für Tag schlimmer. Mein Rücken tut mir so weh, ich denke jede Minute dass ich zusammenbreche. Ich kriege jeden Tag rote Augen und sie jucken sehr. Mein Körper ist ruiniert und ich mache all diese Sachen nur für meine Eltern, damit das Geld reicht. Doch trotzdem bekomme ich wenig zu essen. Und trotzdem reicht das Geld nicht. Mein Freund geht in die Schule und muss nicht arbeiten gehen. Meistens wünsche ich mir genau so ein Leben wie er. Doch das ist mein Leben und das wird es auch bleiben, bis mein Körper nachgibt und mein Geist mich verlässt.

Maria 8a

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Ich heiße Jessica, und bin 10 Jahre alt. Ich wohne in einer kleinen Stadt namens Santiago. Meine Familie und meine Freunde sehe ich schon lange nicht mehr, weil sie alle sehr hart arbeiten müssen. Sie arbeiten alle in einem Bergwerk. So wie ich, aber wir arbeiten alle in verschiedenen Bergwerken. Ich muss jeden Tag von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, manchmal länger arbeiten. Ich arbeite in einem sehr dunklen Schacht, daher weiß ich nie wann es Tag und wann es Abend ist. Mein Rücken und meine Knie schmerzen so sehr, dass ich sie jeden Abend mit Kräutern einreiben muss, damit die Wunden schneller heilen. Ich muss immer einen sehr schweren Wagen hinter mir herziehen. Die Luft ist so stickig, dass ich manchmal keine Luft mehr bekomme. Mein Vorgesetzter ist sehr streng! Wenn ich eine kurze Pause einlege schlägt er mich. Ich finde, dass mein Leben keinen Sinn mehr hat. Wenn ich Kinder hätte, würde ich sie lieber in die Schule schicken. Anstatt sie so hart arbeiten zu lassen. Ach, wie gerne wäre ich doch reich, dann könnte ich mit meinen Freunden spielen, und mit meinen Eltern viel unternehmen. Hoffentlich hilft mir der liebe Gott!!!

Giovanna 8a
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Mein Name ist Elena und ich bin 10 Jahre alt. Seit zwei Jahren arbeite ich in einem Kohlenbergwerk in unserem Ort. Diese Arbeit ist sehr anstrengend, denn man rutscht den ganzen Tag auf den Knien mit einem Gurt um die Schultern, wo der Kohlewagen gezogen wird. Dies ist sehr schmerzhaft und am Abend kann ich kaum noch aufrecht gehen. Meine Knie sind wund und aufgescheuert und schmerzen sehr. Ich denke oft an die anderen Kinder, die diese Arbeit nicht machen müssen. Viel lieber würde auch ich mit Ihnen spielen und fröhlich sein. Aber ich muss ja meine Eltern unterstützen und auch ein bisschen Geld verdienen, dass wir überleben können. Was ich auch noch als schlimm empfinde, ist die Dunkelheit. Ich habe den ganzen Tag kein Licht und wenn ich abends das Bergwerg verlasse ist es wieder dunkel. Am Wochenende bin ich dann immer so erschöpft und müde, dass ich da auch nicht viel unternehmen kann und meistens schlafe. Ich fühle mich sehr einsam und stelle mir oft vor, wie schön es wäre wenn ich ein normales Leben führen könnte

Nadine 8a

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Kinderarbeit heute: Beispiel Indien – Herstellung von T-Shirts

 

In Indien leben circa 135 Millionen Kinder im Grundschulalter. Über 65 Millionen von ihnen müssen arbeiten. Sie arbeiten, damit ihre Familien leben können. Für skrupellose Arbeitgeber sind die Kinder willfährige Opfer, die sich gegen Ausbeutung nicht wehren können."

Wir haben Quellen und Zeugenberichte gelesen und am Beispiel der Kinderarbeit bei der Herstellung von T-Shirts festgestellt:

 

Der Weg eines T-Shirts von einem Stück Baumwolle zum fertigen Produkt ist oft sehr lang. Die Baumwolle wird in Usbekistan angebaut und gepflückt und dann nach Indien zum Färben gebracht. Anschließend werden die bunten Stoffballen nach Südkorea transportiert, wo sie nach Mustern zugeschnitten werden, die in Deutschland entworfen wurden. Zusammengenäht werden die T-Shirts dann wieder in Indien oder Lateinamerika. Schließlich landen sie in Deutschland in den Kaufhäusern. Vom ersten Entwurf bis zur Herstellung des T-Shirts vergehen oftmals keine vier Wochen. Fast immer sind Kinder an der Produktion der T-Shirts beteiligt, In Tiruppur, einer Stadt in Südindien mit zahlreichen Stoff - und Kleiderfabriken, arbeiten rund 30.000 bis 50.000 Mädchen und Jungen. Wie viele Kinder tatsächlich in den Fabriken Geld verdienen, weiß keiner genau. Sie falten und verpacken T-Shirts, sie weben, bleichen und färben. Dabei sind sie den oft gefährlichen Chemikalien ungeschützt ausgesetzt. Die Kinder müssen von frühmorgens bis spätabends arbeiten, sechs Tage in der Woche. Wenn der Betrieb viel Arbeit hat, müssen sie eineinhalb Schichten arbeiten, zwölf Stunden also, von acht Uhr morgens bis neun Uhr abends, mit nur einer Stunde Mittagspause. Ein Wochenende gibt es dann nicht. Die Kinder bekommen umgerechnet 0,5 bis 1 Euro Lohn am Tag - nur halb so viel wie die Erwachsenen. Vergleicht man dieses Gehalt aber mit anderer Arbeit in Tiruppur, so sind die Löhne für Kinder relativ hoch, was ein Anreiz für die Eltern ist, ihre Kinder zur Arbeit zu schicken. Viele Familien benötigen das zusätzliche Einkommen, das ein Kind ins Haus bringt. Die Schule dagegen wird von vielen als Zeitverschwendung betrachtet. Nur jedes zweite Kind im entsprechenden Alter in Tiruppur besucht eine Grundschule. Nur wenige Kinder bringen die Energie auf, zu einer Abendschule zu gehen, wo sie auch etwas über ihre Rechte erfahren können.

Quelle: überHaupt, Schroedel-Magazin Nr.7 / 2003, S.11/12, Schroedel @ktuell, Politik / Erdkunde

 

Bewegung der arbeitenden Kinder und Unicef: Links

Inzwischen hat sich eine internationale Bewegung arbeitender Kinder gebildet. Ihre Forderungen können online nachgelesen unter. Der Bewegung gehören Kinder Afrikas, Asiens und Lateinamerikas an:

 

http://www.oneworldweb.de/tdh/presse/nats_erklaerung.html

Informationen zu Kinderarbeit und Kinderhandel bietet das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen: http://www.unicef.de

 

Dort gibt es Informationen zur Kinderarbeit, die auch per Download vom Internet geholt werden können. Der direkte Link ist: http://www.unicef.de/index_from_teaser.php?node=unv&content=akt_11.html

 

Zusammenfassung / Infos: Was ist Kinderarbeit ?

 

Zum Abschluss gibt Tobias einen Überblick über weltweite Kinderarbeit, vor allem in asiatischen, südamerikanischen und asiatischen Ländern und kommt dann noch einmal auf die geschichtlichen Ursachen in England und Deutschland zurück.

 

Die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen definiert Kinderarbeit in Artikel 32:

(1) Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes an, vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt und nicht zu einer Arbeit herangezogen zu werden, die Gefahren mit sich bringen, die Erziehung des Kindes behindern oder die Gesundheit des Kindes oder seine körperliche, geistige, seelische, sittliche oder soziale Entwicklung schädigen können.
Weitere Definition im 1. Übereinkommen über die Abschaffung der Sklaverei (ILO) vom 7.9.1956: Hier werden die Vertragsstaaten aufgefordert, gesetzgeberische und sonstige Maßnahmen zu treffen zur vollständigen Abschaffung von Versklavung und sklavenähnlichen Praktiken, Schuldknechtschaft (persönliche Dienstleistungen des Schuldners als Sicherheit), Leibeigenschaft, Zwangsheirat.

· International Labour Organisation (ILO), Konvention Nr. 138, 1973:
           Mindestalter: 15 Jahre (für Industriestaaten), oder Ende der allgemeinen Schulpflicht.
           Mindestalter: 13 bis 14 Jahre für sogenannte leichte Arbeit, die keine Gefährdung birgt.

· UN-Kinderrechtskonvention von 1989: generelle Altersschutzgrenze 18 Jahre

Wie viele Kinder müssen arbeiten?

 

Laut UN gibt es heute über 300 Millionen Kinderarbeiter unter 15 Jahren. Von diesen hunderten Millionen Kinderarbeitern arbeitet der größte Teil in Asien (61 Prozent), auf Afrika entfallen 32 Prozent, auf Lateinamerika sieben Prozent.
Sämtliche Zahlen sind Näherungswerte, da die Datenerhebung über oft illegale (=ungesetzliche) Arbeitsverhältnisse schwierig ist und aus vielen Ländern gar keine oder nur mangelhafte Angaben vorliegen.

Auch in den Industriestaaten arbeiten Kinder: In Deutschland arbeiten laut einer Studie der Bundesländer insgesamt 600.000 Kinder, von den 13- bis 15jährigen arbeiten 40 Prozent.

Kinderarbeit - ein Überblick

 

Nach neuesten Schätzungen der IAO ( International Labour Organisation) arbeiten weltweit rund 350 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 17 Jahren. Etwa 180 Millionen fallen unter die gefährlichen und schlimmsten Formen von Kinderarbeit. Dazu zählen u.a. Sklaverei, Kinderhandel, Schuldknechtschaft oder Prostitution sowie Arbeiten, die für die Gesundheit, Sicherheit oder die Sittlichkeit von Kindern schädlich sind.

Aus dem von der IAO vorgelegten Bericht "Eine Zukunft ohne Kinderarbeit" geht hervor, dass in Asien die größte Anzahl arbeitender Kinder der Altersgruppe fünf bis 14 Jahren zu verzeichnen ist (127 Millionen), während es in Afrika südlich der Sahara 48 Millionen, in Lateinamerika 17 Millionen und im Mittleren Osten und in Nordafrika 13 Millionen sind. Besonders spürbar ist jedoch das Problem in Afrika südlich der Sahara. Dort arbeiten 29 % aller Kinder unter 15 Jahren.

Die Ursachen für Kinderarbeit stehen in engem Zusammenhang mit der Armut ihrer Familien. Arbeitslosigkeit, ungerechter Landverteilung, Verschuldung, Preisverfall der Rohstoffe. Fehlende soziale Absicherungen und Kürzungen der Sozialausgaben vieler Regierungen lassen aber auch erkennen, dass eine direkte Verbindung zwischen der Ausbeutung der Arbeitskraft von Kindern und der Entwicklung der Weltwirtschaft besteht.


Beispiel: Kinderarbeit in Ägypten

 

Jedes vierte ägyptische Kind muss arbeiten; das entspricht etwa 1/3 der arbeitenden Bevölkerung. Sie arbeiten für ein drittel bis ein viertel des normalen Lohns. Tausende von Kindern (5-15 Jahre alt) arbeiten in dem Dreieck von Altkairo, das drei industrielle Bereiche beinhaltet: Töpferei, Gerberei und Autoreparaturwerkstätten. Die Kinder kommen meist aus armen Familien, die vom Land in die Stadt gezogen sind und jetzt in den Slums rund um die Industriezonen wohnen. Sozialversicherungen können erst ab dem 18. Lebensjahr abgeschlossen werden, d.h. die arbeitenden Kinder sind sozial nicht abgesichert! Das ägyptische Gesetz erlaubt Kinderarbeit ab 12 Jahren (in der Landwirtschaft gibt es kein Mindestalter), obwohl die Grundausbildung normalerweise erst im Alter von 15 Jahren abgeschlossen ist.
11,5% der Kinder gehen nicht zur Schule und 88,5% haben sie abgebrochen. Die meisten Kinder können weder lesen noch schreiben, viele sind schon im Pubertätsalter körperlich ruiniert. 73% der Kinder leiden an chronischen Krankheiten, 69% an Blutarmut, 58% an Vitamin- A- Defizit und schlechter Ernährung, 46% haben Untergewicht.
Es wäre wünschenswert, dass die tägliche Arbeitszeit (8 - 12 Stunden) zumindest auf ein solches Maß reduziert wird, und dass ein Schulbesuch nebenher möglich ist.

 

Geschichtlicher Rückblick: Kinderarbeit früher z.B. in Deutschland

 

Die Herstellung von Baumwolle wurde im 19. Jahrhundert mechanisiert und in Fabriken ausgeführt. Auch Kinder bedienten Spinnmaschinen und Webmaschinen. Sie arbeiteten bis zu 69 Stunden wöchentlich. Und der Lohn dafür war äußerst gering. Auch die Arbeitsbedingungen waren so schlecht, dass sie zu häufigen Unfällen führten

 

Erste Arbeitsgesetze für Kinderarbeit

 

Mitte des 19ten Jahrhunderts wurden erste Arbeitsgesetze erlassen.
Sie begrenzten die Arbeitszeit der Kinder und verboten die Arbeit der Kinder z.B. unter Tage. Der Staat reagierte mit diesen Gesetzen auf die "sozialen" Probleme der Zeit.
Im Jahre 1802 wurde in England, 1810 in Frankreich und 1839 erstmals auch in Deutschland ein Gesetz zum Schutz der Kinder erlassen. Die übrigen Industrieländer folgten nur zögernd.

 

Kinderarbeit gab es schon seit langem, aber die Industrielle Revolution brachte neue Arten der Kinderarbeit. Die Kinder mussten oft zwölf Stunden am Tage arbeiten und bekamen keine festen Essenszeiten. Die meisten hatten keine ausreichende Schulausbildung. Nur einige konnten lesen, viele selbst das nicht. Familien schickten ihre Kinder in Bergwerke, Flachsmühlen etc., weil sie keinen anderen Ausweg fanden. Die Eltern selber verdienten oft nicht genug Geld, um ihre Familie alleine ernähren zu können. Ihre Kinder wurden zu harter Arbeit angetrieben, beschimpft und geschlagen. Diese Art von Kindesmisshandlung wurde nicht hart bestraft, so dass die Aufseher nicht daran gehindert wurden, die Jungen und Mädchen weiterhin so zu misshandeln. Die Folge war, dass die Kinder sich ängstigten und die Befehle ausführten. Die übermäßige Arbeit war der Grund dafür, dass viele starben. Die Verantwortlichen billigten den Tod vieler Kinder und versuchten sogar, die Kinderarbeit zu beschönigen. Freizeit gab es für diese Kinder nicht, denn sie waren an ihre Arbeit gekettet.

Tobias 8a